Absturzsicherung am Fenster: Brüstungshöhe, französischer Balkon und absturzhemmendes Glas

Ein Fenster, das sich öffnen lässt, braucht eine Absturzsicherung, wenn seine Brüstung weniger als 100 cm über dem Boden liegt und dahinter eine Absturzhöhe von 1 m oder mehr droht. Gemessen wird nach der Norm SIA 358 bis zur Oberkante des festen unteren Fensterrahmens; ist die Brüstung tiefer, sichert ein Geländer vor dem Fenster, der französische Balkon, oder absturzhemmendes Verbundsicherheitsglas. Dieser Ratgeber erklärt die Masse nach der Fachdokumentation der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU), die Lösungen aus Stahl und Glas und den Weg zur Bewilligung im Kanton Zürich.

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Wann braucht ein Fenster eine Absturzsicherung?

Ein Fenster braucht eine Absturzsicherung, wenn zwei Bedingungen zusammenkommen. Erstens liegt dahinter eine Absturzhöhe, bei der die Norm SIA 358 ein Schutzelement verlangt, grundsätzlich ab 100 cm. Zweitens ist die Brüstung niedriger als 100 cm, gemessen ab der begehbaren Fläche im Raum bis zur Oberkante des festen unteren Rahmenteils. Das betrifft bodentiefe und raumhohe Fenster, Fenstertüren ohne Balkon und viele Altbaufenster mit tiefer Brüstung.

Typische Fälle in Wohnungen sind das neue bodentiefe Fenster im Obergeschoss, das Dachgeschoss mit niedrigen Brüstungen, das Kinderzimmer mit einem Möbel unter dem Fenster und das Badezimmer mit einer Badewanne direkt an der Fensterbrüstung. In historischen Bauten liegen Brüstungen, Radiatoren und andere Aufstiegshilfen oft tiefer als 65 cm; dort legt die BFU das Gefährdungsbild anhand der geplanten Nutzung fest.

Absturzsicherung am Fenster ist nicht dasselbe wie Einbruchschutz. Gitter gegen Einbruch im Erdgeschoss und am Kellerfenster behandelt die Seite Fenstergitter als Einbruchschutz.

Quellen: [1]

Wie hoch muss eine Brüstung am Fenster sein, und ab wo wird gemessen?

Bei Fenstern zum Öffnen muss das Schutzelement mindestens 100 cm über der begehbaren Fläche liegen. Als begehbar gilt nach den Erläuterungen zur Norm eine Fläche, auf der man ohne Hilfe der Hände stehen kann und die weniger als 65 cm über dem Boden liegt; die BFU empfiehlt, jede Auftrittsfläche mit mehr als 12 cm Tiefe als begehbar zu beurteilen. Eine breite Fensterbank, eine Heizungsverkleidung oder eine Truhe unter dem Fenster wird so zum neuen Boden, ab dem die 100 cm zählen.

Ein fester unterer Fensterrahmen oder ein Sockel von 3 bis 12 cm Tiefe, auf dem man nur steht, wenn man sich festhält, ist besteigbar, aber nicht begehbar. Für den Schutz von Kindern genügt es dann, wenn das Schutzelement ab diesem Bauteil noch 75 cm hoch reicht.

Masse für die Absturzsicherung am Fenster nach Norm SIA 358, laut BFU-Fachdokumentation 2.003 (Ausgabe 2020)
SituationMindestmass
Fenster zum Öffnen, ab begehbarer Fläche bis Oberkante fester Rahmen100 cm
Ab besteigbarem Bauteil (3–12 cm tief), Schutz von Kindern75 cm
Badewanne direkt an der Brüstung, ab Wannenrand oder Haltegriff75 cm
Öffnungen im Schutzelement bis 75 cm Höhekleiner als 12 cm
Absturzhöhe, ab der ein Schutzelement nötig ist100 cm

Die Masse sind Minimalmasse. Alle Regeln der Norm für Geländer, Treppen und Balkone erklärt der Ratgeber Geländer-Vorschriften nach SIA 358.

Quellen: [1]

Was ist ein französischer Balkon, und kann man ihn betreten?

Ein französischer Balkon ist ein Geländer, das direkt vor einem bodentiefen Fenster oder einer Fenstertür montiert wird. Die BFU führt ihn in ihrer Fachdokumentation zu Glas als eine der Lösungen zur Absturzhemmung: ein zusätzliches Bauteil vor der Verglasung. Er hat keine Austrittsfläche; man öffnet das Fenster ganz, betritt aber nichts.

Weil der französische Balkon ein Schutzelement nach SIA 358 ist, gelten für ihn dieselben Werte wie für jedes Geländer: Oberkante mindestens 100 cm über der begehbaren Fläche im Raum, bis 75 cm Höhe keine Öffnungen über 12 cm und keine waagrechten Stäbe, an denen Kinder hochklettern können. Ein Mass von 80 oder 90 cm, wie es Ratgeber nach deutschem Baurecht nennen, entspricht nicht der Norm SIA 358.

Quellen: [2] [1]

Französischer Balkon aus Stahl oder Glas: Staketen, Verbundsicherheitsglas oder Stange

Ein französischer Balkon aus Stahl besteht meist aus einem Rahmen mit senkrechten Staketen, feuerverzinkt und auf Wunsch in der Fensterfarbe pulverbeschichtet; Chromstahl, im Handel oft Edelstahl genannt, kommt ohne Beschichtung aus. Flachstahl oder Lochblech als Füllung geben etwas Sichtschutz. Für Lochblech gilt als Richtwert ein Lochdurchmesser von höchstens 5 cm, damit die Füllung nicht als Leiter dient.

Ein französischer Balkon aus Glas ist eine Scheibe aus Verbundsicherheitsglas in Klemmprofilen oder Punkthaltern vor dem Fenster. Verbundsicherheitsglas hält nach einem Bruch über die Folie zusammen; die Öffnung bleibt geschlossen. Seitlich geklemmte Glasbrüstungen müssen gegen Abrutschen gesichert sein. Eine einzelne Stange vor dem Fenster nennt die BFU als Lösung bei beweglichen Verglasungen; in Wohnungen mit Kindern erfüllt sie die 12-cm-Regel allein nicht.

Quellen: [2] [1]

Glas statt Geländer: wann das Fenster selbst absturzhemmend ist

Bei Festverglasungen ohne Öffnungsflügel kann das Glas selbst die Absturzsicherung übernehmen. Gewöhnliches Floatglas ist laut der BFU nur zulässig, wenn die Oberkante der unteren Glasleiste mindestens 1,0 m über der begehbaren Fläche liegt; dann übernimmt die Brüstung die Absturzhemmung. Liegt das Glas tiefer, ist Floatglas ungeeignet.

Unterhalb von 1,0 m nennt die BFU Verbundsicherheitsglas als geeignet, entweder auf der Raumseite oder auf der Aussenseite des Isolierglases. Einscheibensicherheitsglas zerfällt bei Bruch in Krümel und gibt die Öffnung frei; bei Absturzgefahr braucht es deshalb zusätzlich ein Schutzelement nach SIA 358. Ist bei einem bestehenden Fenster unklar, welches Glas eingebaut ist, ist ein Geländer vor dem Fenster die sichere Nachrüstung.

Quellen: [2]

Bausatz oder Fachbetrieb: die Befestigung in der Fensterleibung entscheidet

Französische Balkone werden im Onlinehandel als Bausatz in Standardbreiten angeboten, aus verzinktem Stahl, Edelstahl oder Glas. Ein Bausatz passt, wenn die Leibung aus Beton oder Backstein besteht, die Breite einem Standardmass entspricht und jemand sicher in der Höhe arbeiten kann.

Ein Metallbau-Fachbetrieb ist gefragt, wenn das Geländer durch eine Aussendämmung hindurch befestigt werden muss, wenn die Leibung aus Naturstein, Holz oder Leichtbau besteht, wenn mehrere Fenster einer Fassade einheitlich gesichert werden sollen und wenn Glas verwendet wird. Der Betrieb misst jedes Fenster einzeln, wählt Anker, die die Last eines dagegen fallenden Menschen aufnehmen, und verantwortet die Montage. Geländer für Balkon und Terrasse behandelt die Seite Balkongeländer aus Metall oder Glas.

Quellen: [1]

Braucht ein französischer Balkon im Kanton Zürich eine Baubewilligung?

Im Kanton Zürich erteilt die Standortgemeinde die Baubewilligung. Wird ein Fenster zum bodentiefen Fenster vergrössert, verändert das eine Fassadenöffnung; die Bauverfahrensverordnung nennt die Veränderung einzelner Fassadenöffnungen, insbesondere von Türen und Fenstern, ausdrücklich als Fall für das Anzeigeverfahren. Dieses Verfahren kommt ohne Aussteckung und Publikation aus und ist nur möglich, wenn keine Nachbarn mit Rekursrecht betroffen sind.

Für das blosse Geländer vor einem bestehenden Fenster gibt die Gemeinde Auskunft, ebenso für Gebäude in einer Kernzone oder im Inventar, wo jede Veränderung der Fassade strenger beurteilt wird. Auch ein bewilligungsfreies Vorhaben muss die materiellen Vorschriften einhalten, also hier die Absturzsicherung. Den Überblick über die Verfahren gibt der Ratgeber Baubewilligung für Balkon, Vordach und Zaun.

Quellen: [3] [4]

Fest verschraubte Fenster: Absturzschutz beim Reinigen

Fest verschraubte Fenster gelten oft als ungefährlich, werden aber zum Reinigen geöffnet. Die BFU empfiehlt, an solchen Fenstern Geländer auf der Aussenseite zu montieren. Alternativ werden die Fenster von aussen mit Hubarbeitsbühne oder Rollgerüst gereinigt; ist beides nicht möglich, sollen Planer und Bauherrschaft ein Reinigungskonzept erstellen und Mieterinnen und Mieter schriftlich informieren.

Quellen: [1] [2]

Häufige Fragen: Absturzsicherung am Fenster

Kann man einen französischen Balkon betreten?

Nein, ein französischer Balkon ist ein Geländer direkt vor einem bodentiefen Fenster und hat keine Fläche zum Hinaustreten. Er sichert das geöffnete Fenster gegen Absturz. Wer draussen stehen oder sitzen möchte, braucht einen echten Balkon mit tragender Platte.

Wie hoch muss ein französischer Balkon mindestens sein?

Nach der Norm SIA 358 muss die Oberkante eines französischen Balkons mindestens 100 cm über der begehbaren Fläche im Raum liegen. In Wohnungen darf er bis 75 cm Höhe keine Öffnungen über 12 cm haben. Masse von 80 oder 90 cm aus deutschen Ratgebern entsprechen nicht der Schweizer Norm.

Wie hoch muss eine Brüstung für Fenster in der Schweiz sein?

Eine Fensterbrüstung muss bei Fenstern zum Öffnen mindestens 100 cm hoch sein, gemessen ab der begehbaren Fläche bis zur Oberkante des festen unteren Rahmens. Liegt ein Bauteil von mehr als 12 cm Tiefe davor, etwa eine breite Fensterbank, wird ab dort gemessen. Steht eine Badewanne direkt an der Brüstung, gilt für Kinder eine Höhe von 75 cm ab dem Wannenrand.

Wann ist eine Absturzsicherung am Fenster verpflichtend?

Die Norm SIA 358 ist für sich allein kein Gesetz, gilt aber als anerkannte Regel der Baukunde und wird bei Haftungsfragen herangezogen. Verbindlich wird sie, wenn das kantonale oder kommunale Recht auf sie verweist. Für bestehende Fenster gilt meist Bestandesschutz, die Haftung des Eigentümers nach Art. 58 des Obligationenrechts für einen gefährlichen Zustand bleibt aber bestehen.

Quellen

  1. BFU-Fachdokumentation 2.003: Geländer und Brüstungen (PDF, Ausgabe 2020), abgerufen am 30. September 2026
  2. BFU-Fachdokumentation 2.006: Glas in der Architektur (PDF, Ausgabe 2017), abgerufen am 30. September 2026
  3. Kanton Zürich – Bauverfahrensverordnung (LS 700.6), §§ 2, 13–15, Fassung 1.7.2026, abgerufen am 30. September 2026
  4. Kanton Zürich – Baubewilligung, abgerufen am 30. September 2026

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