Ab wie vielen Tritten braucht eine Treppe einen Handlauf?
Eine schweizweit einheitliche Handlauf-Pflicht gibt es nicht. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) hält fest, dass es in der Kompetenz der Kantone liegt, die Frage in der Baugesetzgebung zu regeln, und dass Handläufe an Treppen in Einfamilienhäusern auf Gesetzesebene nicht generell vorgeschrieben sind.
Wo das Baurecht auf technische Normen verweist oder nur allgemein Sicherheit verlangt, gilt die Norm SIA 358 als Massstab. Sie sagt: Treppen mit mehr als fünf Tritten sind in der Regel mit Handläufen zu versehen. Schon bei mehr als zwei Tritten wird ein Handlauf verlangt, wenn die Treppe von behinderten oder gebrechlichen Personen benützt wird oder als Fluchttreppe dient, und zwar in der Regel auf beiden Seiten.
Was am konkreten Ort gilt, beantwortet die Baubehörde der Gemeinde. Unabhängig von der Pflicht rät die BFU zum Handlauf, weil er das Unfallrisiko auf der Treppe deutlich senkt. Alle Masse rund um Geländer stehen im Ratgeber Geländer-Vorschriften nach SIA 358.
Quellen: [1]
Handlauf selber montieren oder vom Metallbauer: wo die Grenze liegt
Einen geraden Wandhandlauf gibt es als Set mit Konsolen im Baumarkt und nach Mass im Onlinehandel. An einer geraden Treppe mit tragfähiger Wand aus Beton oder Backstein lässt sich ein solches Set mit passenden Dübeln selbst montieren.
Ein Metallbau-Fachbetrieb ist gefragt, sobald der Handlauf der Treppe folgen muss: bei gewendelten Treppen, bei Podesten mit Richtungswechsel, bei Wänden aus Gipskarton oder mit Aussendämmung und überall, wo Pfosten im Boden oder an der Treppenwange verankert werden. Dasselbe gilt für jedes Treppengeländer, das eine offene Seite sichert. Es ist ein Schutzelement gegen Absturz, und seine Verankerung muss die Lasten aufnehmen, die eine Person erzeugt, die dagegen fällt.
Wie hoch wird ein Handlauf montiert, und auf welcher Seite?
Die Höhe eines Treppengeländers wird von der Trittkante senkrecht bis zur Oberkante gemessen und beträgt am Treppenlauf mindestens 90 cm. Nur am Treppengeländer darf der obere Abschluss zugleich der Handlauf sein; an Balkon und Galerie liegt der Abschluss auf mindestens 100 cm. Auf Podesten und im Flur verlangt die Norm SIA 500 für hindernisfreie Bauten einen durchlaufenden Handlauf auf 85 bis 90 cm Höhe.
Beidseitig ist der Handlauf nach SIA 358 in der Regel dort vorgesehen, wo gebrechliche oder behinderte Personen die Treppe benützen, und an Fluchttreppen. Bei einem einseitigen Handlauf im Wohnhaus bestimmt die Treppe die Seite: Entscheidend ist, wo eine tragfähige Wand oder Wange zur Verfügung steht und wo der Handlauf ohne Unterbruch von der ersten bis zur letzten Stufe durchlaufen kann.
Handlauf aus Edelstahl, Stahl oder Holz: welches Material wohin passt
Ein Handlauf aus Edelstahl, in der Schweiz meist Chromstahl genannt, braucht keine Beschichtung und wird deshalb oft im Aussenbereich und in Treppenhäusern von Mehrfamilienhäusern gewählt. Stahl wird für aussen feuerverzinkt und auf Wunsch farbig pulverbeschichtet; innen genügt eine Beschichtung. Holz liegt warm in der Hand und wird innen häufig auf Konsolen oder auf einem Metallgeländer geführt.
Für einen Handlauf aussen zählt neben dem Korrosionsschutz der Untergrund: An gedämmten Fassaden braucht es Abstandsmontagen, an Gartentreppen Pfosten mit Fundament oder Anker im Beton. Welche Oberfläche wie lange hält, vergleicht der Ratgeber feuerverzinkt oder pulverbeschichtet.
Treppengeländer aus Metall oder Glas: Staketen, Füllung, Glasgeländer an der Treppe
Ein Treppengeländer aus Metall besteht aus Pfosten, Handlauf und einer Füllung. Am häufigsten sind senkrechte Staketen; Flachstahl, Lochblech oder eine Glasfüllung sind die Alternativen. In Wohnbauten darf die Füllung bis auf 75 cm Höhe keine Öffnung haben, durch die eine Kugel von 12 cm Durchmesser passt, und sie soll sich nicht beklettern lassen. Waagrechte Stäbe und Seile gelten laut der BFU als bekletterbar.
Ein Glasgeländer an der Treppe wird aus Verbundsicherheitsglas gefertigt, entweder zwischen Pfosten oder als Ganzglas in einem Profil an der Wange. Weil jede Scheibe der Steigung folgt, wird sie nach Aufmass einzeln zugeschnitten. Innen wird das Treppengeländer meist seitlich an der Wange oder der Deckenstirn befestigt, aussen häufiger auf den Stufen oder dem Podest. Geländer an Balkon und Terrasse behandelt die Seite Staketengeländer und Glasgeländer; wird die Treppe selbst neu gebaut, gehört das Geländer zur Stahltreppe nach Mass.
Quellen: [2]
Was kostet ein Handlauf pro Laufmeter?
Eine Schweizer Kostenübersicht nennt für Handläufe und Treppengeländer folgende Richtwerte pro Laufmeter (Stand April 2023).
| Ausführung | Richtpreis pro Laufmeter |
|---|---|
| Handlauf aus Holz | CHF 150–300 |
| Handlauf aus Edelstahl | CHF 200–350 |
| Treppengeländer mit Staketen | CHF 300–400 |
| Treppengeländer aus verzinktem Stahl | CHF 400–650 |
| Treppengeländer aus Edelstahl | CHF 600–850 |
| Treppengeländer mit Glasfüllung | CHF 500–800 |
| Ganzglasgeländer | CHF 900–1'200 |
Bei einem Handlauf bestimmen wenige Meter den Auftrag. Aufmass, Anfahrt und Montage machen deshalb einen grossen Teil des Preises aus. Teurer wird es durch Bögen und Richtungswechsel, durch Pfosten statt Wandkonsolen und durch schwierige Untergründe. Wie sich eine Offerte zusammensetzt, zeigt der Ratgeber Metallbau-Kosten.
Handlauf nachrüsten: Wandhandlauf im Treppenhaus, Pfosten an der Aussentreppe
Ein Handlauf lässt sich an fast jeder bestehenden Treppe nachrüsten. Im Treppenhaus ist der Wandhandlauf auf Konsolen die übliche Lösung, oft als zweiter Handlauf gegenüber dem vorhandenen Geländer. An der Aussentreppe zum Hauseingang oder im Garten trägt meist eine Reihe von Pfosten den Handlauf, weil keine Wand da ist.
Der Fachbetrieb misst den Treppenverlauf am Objekt aus, fertigt den Handlauf in der Werkstatt mit den nötigen Bögen und montiert ihn in der Regel in einem Arbeitsgang. Bestehende Geländer geniessen nach Angaben der BFU in der Regel Bestandesschutz. Eine Überprüfung empfiehlt die BFU trotzdem, wenn eine Gefährdung vermutet wird oder sich die Nutzung ändert, etwa wenn ältere Angehörige einziehen.
Quellen: [2]
Handlauf: Teilleistungen
- Wandhandlauf — Handlauf auf Konsolen an der Treppenhauswand, gerade oder dem Treppenverlauf folgend gebogen.
- Handlauf aussen — Handlauf auf Pfosten an Eingangs- und Gartentreppen, aus Chromstahl oder feuerverzinktem Stahl.
- Treppengeländer innen — Geländer mit Staketen, Flachstahl, Lochblech oder Glas an der offenen Treppenseite und an Galerien.
- Treppengeländer aussen — Wetterfestes Geländer an Aussentreppen und Podesten, im Beton oder an der Wange verankert.
- Handlauf nachrüsten — Zweiter Handlauf oder erster Handlauf an einer bestehenden Treppe, inklusive Aufmass.
Häufige Fragen zu Handlauf
Ist ein Handlauf im Einfamilienhaus obligatorisch?
Für Treppen in Einfamilienhäusern sind Handläufe laut der BFU auf Gesetzesebene nicht generell vorgeschrieben; massgebend ist das kantonale und kommunale Baurecht. Verweist dieses auf die Norm SIA 358, gehört an Treppen mit mehr als fünf Tritten in der Regel ein Handlauf. Auskunft für das eigene Haus gibt die Baubehörde der Gemeinde.
Was ist der Unterschied zwischen Handlauf und Geländer?
Ein Handlauf ist das Profil, an dem man sich beim Treppensteigen festhält; er kann allein an der Wand sitzen. Ein Geländer ist ein Schutzelement gegen Absturz mit Pfosten und Füllung und muss am Treppenlauf mindestens 90 cm hoch sein. Am Treppengeländer darf der obere Abschluss zugleich der Handlauf sein.
Wie hoch muss ein Treppengeländer in der Schweiz sein?
Am Treppenlauf muss ein Treppengeländer nach der Norm SIA 358 mindestens 90 cm hoch sein, gemessen senkrecht ab der Trittkante. Auf Podesten und Galerien gilt wie bei jedem Geländer die Mindesthöhe von 100 cm ab der begehbaren Fläche. Beide Werte sind Minimalmasse.
Wer baut Handläufe ein?
Handläufe und Treppengeländer aus Metall fertigt und montiert ein Metallbauer, früher Schlosser genannt. Handläufe aus Holz an Holztreppen übernimmt auch der Schreiner oder Treppenbauer. Für einen geraden Wandhandlauf an einer Massivwand genügt ein Set aus dem Handel; gebogene Handläufe und Geländer mit Pfosten sind Arbeit für den Fachbetrieb.
Wie befestige ich ein Geländer an einer Treppe?
Ein Treppengeländer wird entweder seitlich an der Treppenwange oder der Deckenstirn verschraubt oder von oben auf Stufen und Podest gesetzt. Die seitliche Montage lässt die volle Laufbreite frei, braucht aber eine tragfähige Wange. Welche Anker passen, hängt vom Material der Treppe ab: Beton, Stahl, Holz oder Naturstein verlangen je eigene Befestigungen.
Quellen
- BFU – Beratungsstelle für Unfallverhütung: Handläufe bei Treppen in Einfamilienhäusern, abgerufen am 30. September 2026
- BFU-Fachdokumentation 2.003: Geländer und Brüstungen (PDF), abgerufen am 30. September 2026
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