Was eine Kunstschlosserei macht – und wann es den Kunstschmied braucht
Die Kunstschlosserei ist der Teil des Metallbaus, der mit Hammer, Amboss und Esse arbeitet. Schmiedearbeiten sind eine eigene Fachrichtung der vierjährigen Lehre Metallbauer/in EFZ, und die Reparatur historischer Metallbauteile gehört zum Berufsbild. Ein Kunstschmied formt das glühende Eisen von Hand, während ein modernes Geländer meist aus Normprofilen geschweisst wird.
Es braucht ihn, wenn ein Bauteil zum Haus gehört und nicht einfach ersetzt werden soll: beim Balkongeländer eines Gründerzeithauses, beim Gartentor einer Villa, beim Korbgitter vor einem Erdgeschossfenster. Für ein neues, schlichtes Geländer ist der gewöhnliche Metallbau die günstigere Wahl; die Ausführungen zeigt die Seite Staketengeländer und Glasgeländer.
Schmiedeeisen-Geländer restaurieren, ergänzen oder neu anfertigen
Ein Schmiedeeisen-Geländer lässt sich fast immer erhalten, auch wenn es verrostet aussieht. Typisch sind durchgerostete Fusspunkte, wo Wasser im Stein oder Beton steht, lose Verankerungen, fehlende Zierteile und dicke, abblätternde Farbschichten. Der Fachbetrieb baut das Geländer aus oder bearbeitet es am Ort, entfernt Rost und alte Anstriche, schmiedet schadhafte Stäbe und Ornamente nach und setzt es mit neuem Korrosionsschutz wieder ein.
Beim Ergänzen wird ein bestehendes Geländer verlängert oder ein fehlendes Feld nach dem Muster der erhaltenen Felder neu geschmiedet. Eine Neuanfertigung nach altem Vorbild kommt in Frage, wenn vom Original nur Fotos oder ein Nachbargeländer geblieben sind. Im Onlinehandel gibt es vorgefertigte Zierstäbe und Geländerfelder im Schmiedeeisen-Stil. Für einen Neubau können sie genügen, neben handgeschmiedetem Bestand fallen sie auf, weil Querschnitte und Verbindungen nicht übereinstimmen.
Altes Geländer und Norm SIA 358: muss es erhöht werden?
Ein historisches Geländer erfüllt die heutige Norm SIA 358 selten: Sie verlangt ab 1 m Absturzhöhe ein mindestens 1 m hohes Schutzelement und in Wohnbauten bis auf 75 cm Höhe keine Öffnung, durch die eine Kugel von 12 cm passt. Bestehende Bauten geniessen nach der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) in der Regel Bestandesschutz. Er gilt aber nicht, wenn umfangreich saniert wird und dafür eine Baubewilligung nötig ist, und er entbindet Eigentümerinnen und Eigentümer nicht von der Haftung für ein mangelhaftes Werk.
Für historische und denkmalgeschützte Bauten hält die BFU fest, dass sich das massgebende Gefährdungsbild anhand der geplanten Nutzung festlegen lässt. In der Praxis wird deshalb eine Lösung gesucht, die das Original schont: ein zusätzlicher Handlauf über dem alten Geländer, eine zurückhaltende Füllung auf der Innenseite oder eine zweite Ebene dahinter. Welche Variante zulässig ist, klären der Fachbetrieb, die Eigentümerschaft und bei inventarisierten Häusern die Denkmalpflege gemeinsam. Alle Masse erklärt der Ratgeber Geländer-Vorschriften nach SIA 358.
Quellen: [1]
Schmiedeeisen-Tor und Fenstergitter: reparieren und nachbauen
Ein Schmiedeeisen-Tor leidet vor allem an seinen beweglichen Teilen. Die Flügel hängen durch, die Bänder sind ausgeschlagen, das Schloss klemmt, und unten rostet der Rahmen, wo Laub und Feuchtigkeit liegen. Der Kunstschmied richtet die Flügel, erneuert Bänder und Zapfen, ersetzt durchgerostete Rahmenteile und passt neue Teile in der Form den alten an. Soll das Tor einen Antrieb erhalten oder ist ein neues, modernes Tor gefragt, hilft die Seite Schiebetor und Einfahrtstor weiter.
Geschmiedete Fenstergitter und Korbgitter werden auf die gleiche Weise instand gesetzt oder nach dem Vorbild der Nachbarfenster neu angefertigt. Wer vor allem den Einbruchschutz im Blick hat, findet die heutigen Ausführungen unter Fenstergitter nach Mass. Einfache Reparaturen an neueren Metallteilen übernimmt die Schlosserei.
Inventar und Denkmalschutz im Kanton Zürich: was vor der Arbeit zu klären ist
Viele Häuser mit Schmiedeeisen stehen in einem Inventar der Denkmalpflege. Nach Angaben des Kantons Zürich ist ein Gebäude mit der Aufnahme in ein Inventar noch nicht unter Schutz gestellt; festgehalten wird eine Schutzvermutung. Für Objekte von kommunaler Bedeutung ist die Gemeinde zuständig, für Objekte von überkommunaler Bedeutung die kantonale Denkmalpflege. Der Kanton rät, die Bauberatung möglichst früh beizuziehen, also bereits vor dem Baugesuch.
Die Stadt Zürich hält fest, dass inventarisierte Bauten nicht unter Schutz stehen und über Schutzmassnahmen erst bei einem Bauvorhaben entschieden wird. Eigentümerinnen und Eigentümer sollen vor baulichen Veränderungen prüfen, ob ihr Haus im Inventar steht; das Inventar ist online über die Katasterauskunft einsehbar. Für ein Geländer, Tor oder Gitter heisst das: erst abklären, dann ausbauen. Für substanzerhaltende Massnahmen an überkommunalen Objekten kann der Kanton Beiträge leisten, ein Anspruch darauf besteht nicht.
Was Kunstschmiedearbeiten kosten: Handarbeit statt Laufmeterpreis
Kunstschmiedearbeiten werden nach Aufwand kalkuliert, weil jedes Stück ein Einzelstück ist. Für eine Restaurierung gibt es keine belegten Richtpreise. Für neue Arbeiten nennt eine Schweizer Kostenübersicht CHF 150 bis 300 pro Laufmeter für einen geschmiedeten Eisenzaun, geliefert und montiert (ohne Datum, abgerufen im September 2026). Das ist die untere Grenze: Ein reich verziertes Geländer oder ein Tor liegt darüber.
Den Preis bestimmen der Anteil echter Schmiedearbeit, die Zahl der nachzubauenden Teile, der Zustand der Verankerungen, Ausbau und Transport in die Werkstatt, das Entfernen alter Anstriche und der neue Korrosionsschutz. Eine Offerte sollte diese Schritte einzeln ausweisen und festhalten, welche Teile erhalten und welche ersetzt werden. Richtwerte für gewöhnliche Geländer und Stundenansätze stehen im Ratgeber Metallbau-Kosten.
Kunstschmied: Teilleistungen
- Schmiedeeisen-Geländer restaurieren — Entrosten, schadhafte Stäbe und Ornamente nachschmieden, neu verankern und schützen.
- Geländer ergänzen und nachbauen — Fehlende Felder und Verlängerungen nach dem Muster des Bestands.
- Schmiedeeiserne Tore — Flügel richten, Bänder und Schlösser erneuern, Rahmenteile ersetzen.
- Fenster- und Korbgitter — Historische Gitter instand setzen oder nach Vorbild neu anfertigen.
- Anpassung an heutige Sicherheit — Zusätzlicher Handlauf oder Füllung, abgestimmt mit der Denkmalpflege.
Häufige Fragen zu Kunstschmied
Gibt es den Beruf des Kunstschmieds heute noch?
Ja, den Beruf des Kunstschmieds gibt es weiterhin. In der Schweiz ist er Teil der vierjährigen Lehre Metallbauer/in EFZ, die neben Metallbau und Stahlbau die Fachrichtung Schmiedearbeiten kennt. Betriebe, die solche Arbeiten ausführen, nennen sich Kunstschlosserei oder Kunstschmiede.
Lassen sich fehlende Teile eines Schmiedeeisen-Geländers nachschmieden?
Fehlende Stäbe, Voluten, Rosetten oder ganze Felder eines Schmiedeeisen-Geländers lassen sich nach dem Vorbild der erhaltenen Teile neu schmieden. Der Kunstschmied nimmt dazu Mass und Querschnitte am Bestand ab und verbindet die neuen Teile auf die gleiche Art wie die alten. Gibt es kein Vorbild mehr, helfen alte Fotos oder das Geländer eines Nachbarhauses aus der gleichen Bauzeit.
Ist ein inventarisiertes Haus im Kanton Zürich bereits geschützt?
Nein, die Aufnahme in ein Inventar stellt ein Haus im Kanton Zürich noch nicht unter Schutz, sie hält eine Schutzvermutung fest. Über Schutzmassnahmen wird entschieden, wenn ein Bauvorhaben ansteht. Deshalb sollte die Denkmalpflege der Gemeinde oder des Kantons beigezogen werden, bevor ein historisches Geländer oder Tor verändert wird.
Quellen
- BFU-Fachdokumentation 2.003: Geländer und Brüstungen, Kap. I.2.3 Bestandesschutz, I.3 Historische Bauten, II (PDF), abgerufen am 30. September 2026
- Kanton Zürich – Bauen & Denkmalpflege (Inventar, Zuständigkeiten, Bauberatung, Beiträge), abgerufen am 30. September 2026
- Stadt Zürich – Denkmalpflege: Inventar, abgerufen am 30. September 2026
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